Coming-out am Arbeitsplatz: So gelingt’s! (Ratgeber 2021)

Coming out am Arbeitsplatz

Das Coming-out am Arbeitsplatz ist (leider) immer noch ein großes Thema. Denn im Gegensatz zum Outing bei z.B. Freund:innen & Familie, kann hier auch die berufliche Zukunft beeinflusst werden.

Doch das heißt nicht, dass ein Coming-out im Job per se negative Konsequenzen hat. Mit diesem Ratgeber möchten wir dir helfen eine für dich richtige Entscheidung zu treffen und im Falle eines Outings dir verschiedene Ideen geben, wie du dies angehen kannst. 

Nimm diesen Text nicht als festes Regelwerk, sonder eher als Inspiration – letztendlich ist es allein deine Entscheidung ob, wann und wie du dich auf der Arbeit outest.

Inhalt

  1. Die rechtliche Situation queerer Arbeitnehmer:innen
  2. Ist ein Coming-out die richtige Entscheidung?
  3. Ideen für dein Coming-out im Job

 

1. Die rechtliche Situation queerer Arbeitnehmer:innen

Ein Begriff den jede und jeder queere Angestellte kennen sollte ist das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungsg­setz (AGG), das am 18. August 2006 in Kraft getreten ist. Die “sexuelle Identität” im Sinne des AGG bedeutet, dass man auf Grund sei­ner Homosexualität nicht schlech­ter als ver­gleich­ba­re he­te­ro­se­xu­el­le Per­so­nen be­han­delt wer­den darf. Ebenso zählt die geschlechtliche Identität unter den Begriff der sexuellen Identität. Die wichtigsten Punkte dieses Gesetzes haben wir hier für dich zusammengefasst.

  • Eine Arbeitgeberin oder ein Arbeitgeber darf in manchen Fällen gewisse Gruppen ausschließen (z.B. kann ein Opernhaus für ein Rolle nur weibliche Personen zulassen). Dies fällt dann unter den Begriff der "zulässi­gen un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung". 

  • Solch eine unterschiedliche Behandlung ist nur zulässig wenn ein persönliches Merkmal ...
    … we­gen der Art der aus­zuüben­den Tätig­keit oder der Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung
    … ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt, so­fern

    … der Zweck rechtmäßig und
    … die An­for­de­rung an­ge­mes­sen ist (§ 8 Abs.1 AGG).

  • In der Praxis ist jedoch kaum denkbar, dass die he­te­ro­se­xu­el­le Ori­en­tie­rung solch ei­ne "we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung" für den Job darstellt. 

Bei einer Diskriminierung auf Grund deiner “sexuellen Identität” nach dem Coming-out solltest du daher auf jeden Fall rechtlich dagegen vorgehen.

Coming out im job
Wenn du nach deinem Coming-out schlechter behandelt wirst, solltest du dagegen auf jeden Fall rechtlich vorgehen.

 

2. Ist ein Coming-out die richtige Entscheidung?

Auch wenn es noch so wünschenswert wäre, leben wir in keiner komplett offenen, toleranten und queer-freundlichen Welt. Dein Coming-out vor den Kolleg:innen kann je nach Situation weitreichende Folgen für deine berufliche Zukunft haben, der du dir auf jeden Fall bewusst sein solltest. Eine allgemeingültige Formel können wir dir nicht geben, da so viele Faktoren hier mit rein spielen (z.B. dein Wohnort, die Arbeitsbranche, wie genau du dich identifizierst, deine Kolleg:innen). Allerdings können wir dir helfen der für dich richtigen Entscheidung näher zu kommen.

  • Unternehmens Indexe durchstöbern
    Wenn du für ein größeres Unternehmen arbeitest ist die Chance hoch, dass du über Google oder Ecosia herausfindest, wie LGBTQ+-freundlich deine Arbeitgeber:innen sind. Für Internationale Unternehmen kannst du zum Beispiel im HRC Corporate Equality Index, den Stonewall Top 100 oder den  DiversityInc Top 50 nachschauen und nach deiner Firma suchen. 

  • Beobachte deine Kolleg:innen
    Super simpel - und eine der besten Methoden um herauszufinden wie dein Unternehmen und die Menschen darin mit queeren Themen umgehen. Achte aufmerksam auf deine Arbeitsumgebung und wie dort miteinander umgegangen wird. Hier sind einige Fragen, die dir dabei helfen können:

    Gibt es andere queere Arbeitnehmer:innen?
    Werden Pronomen von z.B. Trans* Menschen respektiert?
    Wie offen gehen queere Kolleg:innen mit dem Thema um? 
    Ist die Unternehmenskultur stark gegendert? (z.B. Männer bleiben unter sich, starker geschlechtsspezifischer Dresscode, genderneutrale Toiletten).
  • Folgen eines ausbleibenden Coming-outs
    Klar hat ein Coming-out immer Auswirkungen auf dein berufliches und privates Leben. Du solltest dir aber auch überlegen wie sich ein ausbleibendes Coming-out langfristig auf dich auswirkt. Eine Studie der Human Rights Campaign (2018) fand heraus, dass 17% der LGBTQ+ Arbeitnehmer:innen sich erschöpft fühlen von der Zeit & Energie, die sie in das Verstecken ihrer sexuellen Orientierung stecken. 

 

3. Ideen für dein Coming-out im Job

Solltest du dich dazu entschieden haben dich zu outen, dann gibt es natürlich zig Möglichkeiten wie du dies tun kannst. Hier gibt es kein Patentrezept, da ein Outing im Beruf immer super individuell ist. Wir möchten dir hier aber einige Ideen geben, wie du dein Coming-out angehen könntest.

  • Geh’ es direkt an
    Kurz und schmerzlos lautet hier die Devise. Du musst natürlich nicht in einem Meeting damit herausplatzen, sondern kannst immer wieder ein paar kleine Hinweise in Konversationen einstreuen, z.B. “Ich und meine Frau …”, “Als ich mal diesen Typen gedatet habe …”. 

  • Lass den Dingen ihren Lauf
    Solltest du es nicht eilig haben, kannst du einfach darauf warten bis sich ein passender Moment ergibt. Besonders für eher introvertierte und schüchterne Menschen ist dieser Ansatz oft der Beste - nimmt allerdings auch seine Zeit in Anspruch.

  • Starte klein
    Solltest du dich nicht bei allen deinen Kolleg:innen auf einmal outen wollen, dann wähle nach und nach Menschen aus denen du vertraust und davon erzählen möchtest. Wenn du nicht möchtest, dass es die Runde macht, solltest du noch dazu sagen, dass du nicht möchtest, dass sie deine Neuigkeiten mit anderen teilen.

  • Frag jemanden es für dich zu tun
    Solltest du dich nicht trauen oder es dir einfach zu anstrengend sein dich vor allen zu outen, dann kannst du eine andere Person bitten dies zu tun. Du musst dafür nicht mal explizit jemanden “beauftragen”, sondern kannst auch so vorgehen wie bei Starte Klein beschrieben und den Personen sagen, dass sie es gerne mit ihren Kolleg:innen ebenfalls teilen können.

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