Die 5 Phasen des Coming-outs einfach erklärt (Ratgeber für Angehörige)

coming out 5 phasen

Um eine dir nahestehende Person beim Coming-out zu unterstützen, kann es sehr hilfreich sein, wenn du verstehst, wie der Coming-out Prozess ungefähr abläuft und in welcher Phase du wie am besten unterstützen kannst. 

Selbstverständlich können wir dir hier keine Anleitung geben, die du einfach universell einsetzen kannst. Letztendlich ist jede Person verschieden - versuche deshalb ein Gespür für ihre individuellen Bedürfnisse zu entwickeln.

Dennoch kann das 5 Phasen Modell des Outing Prozesses dir dabei helfen besser zu verstehen, was sich in einer dir nahestehenden Person abspielt. Gerade wenn du selbst nie eine ähnliche Situation durchmachen musstest, ist es oft schwer nachzuvollziehen warum (v.a. junge) queere Menschen so reagieren wie sie es tun.

Hinweis: Wir verwenden hier übergreifend für verschiedene Sexualitäten den Begriff Queer. Dieser beinhaltet also z.B. Schwul, Lesbisch, Bisexuell und so weiter.

Die 5 Phasen des Coming-outs

Bevor wir dir die 5 Phasen im Detail erklären, haben wir eine Infografik für dich zusammengestellt, die dir den Prozess übersichtlich und vereinfacht aufzeigt: 

Coming out 5 Phasen Infografik
Infografik über die 5 Phasen des Coming-outs

Es ist wichtig zu erwähnen, dass diese 5 Phase keine festgelegten Gesetze sind. Die Dauer und Intensität mit der eine Person diese Phasen durchläuft sind sehr individuell. 

Prä-Coming-out Phase:

Während ihrer Kindheit haben queere Menschen oft das Gefühl “anders” zu sein. Dieses “Anderssein” kann allerdings noch nicht genau begriffen oder beschrieben werden. Das führt dazu, dass sie oft die Intuition haben diese Empfindungen nicht mit anderen zu teilen - auch nicht mit den eigenen Eltern oder engen Freund:innen. Häufig kommt dazu noch das Gefühl, dass mit einem irgendwas nicht stimmt, bis hin zu subtilen Angst-, und Schuldgefühlen. Für queere Menschen ist es oft schwer in einer heteronormativen (die Annahme, dass alle heterosexuell sind) und cisnormativen (die Annahme, dass sich alle mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren) aufzuwachsen. Eigene Gefühle die von diesen von außen vorgelebten Werten abweichen können zu schwerwiegenden inneren Konflikten führen.

Phase des inneren Coming-outs

Das gerade beschriebene “Anderssein” wird in dieser Phase nun bewusster Begriffen. Das kann zum Beispiel die Erkenntnis darüber sein, dass sie sich zu dem eigenen Geschlecht hingezogen fühlen oder nicht mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren können. Durch diese Erkenntnis werden innere Ängste ausgelöst, sich von anderen zu unterscheiden. Auch bereits bekannte Vorurteile gegenüber z.B. Homosexuellen Menschen führen zu einem inneren Konflikt. Da diese meist bereits stark verinnerlicht sind, werden sie erstmal nicht in Frage gestellt (das nennt man auch internalisierte Homophobie). In dieser Phase kommt meist eine starke Angst auf, vom Umfeld ausgeschlossen zu werden.

Stigmavermeidung

In unserer Gesellschaft sind viele Negativbilder und Vorurteile gegenüber queeren Menschen verankert - wahrscheinlich sind auch dir einige bekannt. Genau diese führen in dieser Phase zu einem immensen inneren Kampf, da sich queere Menschen (erstmal) nicht eingestehen wollen, dass sie nunmal sind, wie sie sind. Dies kann soweit gehen, dass sie versuchen ihre Gefühle komplett zu verdrängen und heterosexuell zu werden, bzw. den Normen der Gesellschaft zu entsprechen. 

Phase der Selbstannahme

In dieser vierten Phase des Coming-outs werden die Wünsche und Bedürfnisse, bzw. der Leidensdruck der betroffenen Personen so stark, dass sie beginnen ihre bisherigen Annahmen und inneren Einstellungen zu hinterfragen. Im weiteren Verlauf suchen sie oft den Kontakt zu anderen queeren Menschen und Informationen über das Thema. Je mehr die eigene Selbstannahme wächst, desto stärker werden auch positive Gefühle von Befreiung und Erleichterung, bis hin zu Euphorie, endlich zu sich selbst gefunden zu haben.

Phase des äußeren Coming-outs

In dieser finalen Phase des Coming-outs teilen die Personen ihre Selbsterkenntnisse dann schließlich mit anderen Menschen. Dieser Schritt ist allgemein bekannt als Coming-out, z.B. vor der Familie oder Freund:innen. Je mehr positive Reaktionen auf das Outing erfolgen, desto besser kann die Person sich selbst annehmen und akzeptieren. Diese letzte Phase zieht sich übrigens ein Leben lang, da es immer wieder zu Situationen kommt, in denen sich entschiedenen werden muss, sich anderen zu öffnen, oder es lieber (erstmal) für sich zu behalten. 

Wir möchten an dieser Stelle nochmal erwähnen, dass du auf keinen Fall zwanghaft versuchen solltest dieses Schema auf deine Angehörigen zu pressen. Wir sind alle individuell und genauso einzigartig ist auch der Coming-out Prozess jeder Person. Dennoch hoffen wir, dass du durch das 5 Phasen Modell einen besseren Einblick in den sehr komplexen Ablauf eines Outings bekommen hat, der für viele Personen (leider) auch mit einem hohen Leidensdruck verbunden ist.

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